Experten-Report: Transporterzahlen im 1. Halbjahr 2026
Es gibt reichlich Zahlen zu den Ergebnissen der großen Transportermarken zum ersten Halbjahr 2026. Direkt vergleichbar sind die gemeldeten Daten zwar nicht – aber die Transporterzahlen sind allemal einen Blick wert. Vor allem angesichts der heiklen Wirtschaftslage und dem schrittweisen Wechsel zur Elektromobilität sowie weltweit leicht gesunkener Neuzulassungen.
Ford: Goldesel Transporter und Pickups trotz Brand
Die Besonderheit von Ford: Der Konzern hat mit seiner Transportersparte Ford Pro als US-Unternehmen mit einem großen Schwerpunkt bei Pickups einen völlig anderen Blickwinkel als europäische Fabrikate. Für das erste Halbjahr nennt Ford Pro einen Absatz von 688 000 Fahrzeugen (Vorjahr 781 000), einen Umsatz von 32,5 (34,0) Milliarden Dollar sowie ein Ebit von 3,4 (3,6 ) Milliarden Dollar, das entspricht einer Umsatzrendite von 10,5 (10,7) Prozent. Die Lage könnte noch besser sein, doch ein Brand beim Zulieferer Novelis ließ die Fertigung des Bestseller-Pickups F-150 stocken. Seine Karosserie besteht aus Aluminiumkomponenten von Novelis. Mit seinen Ergebnissen stellte Ford nach einem schwierigen Anlauf 2026 bisher die Resultate klassischer Pkw-Segmente erneut in den Schatten, von den Verlusten der Sparte mit E-Fahrzeugen ganz zu schweigen.
Die Transporter von Ford haben in Deutschland eine beeindruckende Entwicklung hingelegt. Während die Pkw lahmen, stieg der Marktanteil der Transporter namens Ford Pro in den vergangenen fünf, sechs Jahren um fast 50 Prozent auf Höhen von zurzeit rund 17 Prozent. „Bei leichten Nutzfahrzeugen sind wir die Nummer eins“, heißt es stolz, dahinter reihen sich Mercedes und VW ein. Mit dem neuen Transit City aus chinesischer Fertigung will Ford seine Position nun weiter ausbauen.
Mercedes-Benz Vans: mehr Umsatz, mehr Gewinn, weniger Absatz
Traditionell besonders ausführlich sind die Angaben von Mercedes-Benz Vans. Die Marke steht aufgrund fortlaufender Alarmmeldungen zu Kosten aus der Chef-Etage unter Beobachtung. Die Vans schlagen sich tapfer: Der Umsatz legte im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent auf 8,58 Milliarden Euro zu. Das Ebit – also der operative Gewinn vor Steuern – stieg um satte 78 Prozent auf 894 Millionen Euro. Das bereinigte Ebit ohne Sondereinflüsse sank zwar um fünf Prozent auf 869 Millionen Euro, doch die entsprechende Umsatzrendite liegt mit 10,1 Prozent immer noch prima – die Pkw von Mercedes-Benz erreichen gerade mal 4,0 Prozent. Zur Rechnung gehören auch angesichts bevorstehender Modellwechsel aktivierte Entwicklungskosten in einer Größenordnung von 369 Millionen Euro, ein Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent.
Der Absatz sank im ersten Halbjahr Vergleich zum Vorjahr minimal um ein Prozent auf 174 331 Transporter. Der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge kletterte deutlich auf nunmehr 9,3 Prozent. Zu den Gewinnern zählt mit einem Plus von zehn Prozent auf 98 886 Einheiten der Sprinter. Dagegen musste der Vito – 37 152 Fahrzeuge, minus 14 Prozent – deutlich Federn lassen. Der auslaufende Citan legte mit einem Zuwachs von 16 Prozent auf 12 808 Einheiten einen Schlussspurt hin. Angesichts des anlaufenden neuen VLE verloren V-Klasse/EQV 23 Prozent, macht 23 836 Fahrzeuge. Im Plus auf niedrigem Niveau schnitten T-Klasse/EQT mit 3649 Einheiten (plus zwei Prozent) ab. Während die Vans mit Stern in Europa leicht und in den USA deutlich zulegten, reduzierte sich der Absatz in Asien und vor allem China drastisch.
Renault: Transporter legen zu
Renault verkündet stolz, die Transporter des Herstellers seien zurück. Die Marke steigerte ihre Verkäufe im ersten Halbjahr in Europa um zwölf Prozent, sieht sich als Einzelmarke auf Position zwei in Europa und freut sich über einen Marktanteilsgewinn um 1,2 Prozentpunkte. Wesentlich verantwortlich dafür ist der noch junge Großtransporter Master. Während Renault in allen Segmenten auf dem Treppchen steht, soll der Master sogar an Nummer eins in Europa gerückt sein. Der Anteil vollelektrischer Transporter beläuft sich über alle Segmente auf zwölf Prozent.
Zu den Besonderheiten im ersten Halbjahr 2026 gehört die komplette Übernahme der Beteiligungsgesellschaft Flexis, verantwortlich für den kommenden Renault Trafic E-Tech, dessen Produktion zum Jahreswechsel starten soll. Dann geht ebenfalls ein neuer Pickup namens Niagara an den Start.
Stellantis: Markenbündel auf Erfolgskurs
Stellantis addiert gerne, sind doch die Transporter der konzerneigenen Marken Citroen, Fiat, Opel/Vauxhall und Peugeot baugleich. Im ersten Halbjahr dieses Jahres errechnete die Transportersparte Stellantis Pro One auf diese Weise 273 000 verkaufte Einheiten und somit einen führenden Marktanteil in Europa von 28,7 Prozent.
Bei den kompakten Transportern sieht sich der Konzern mit 47,4 Prozent ganz weit vorn. Ebenfalls beachtlich ist die Summe von 25,3 Prozent der Großtransporter – auch dies bedeutet nach der Stellantis-Zählung die Nummer eins. Dies gilt ebenfalls für die Zulassungen vollelektrisch angetriebener Transporter. Hier unterstützte Stellantis den Schritt zur Elektrifizierung mit dem Angebot elektrisch angetriebener Modelle zum Dieselpreis. Ergebnis war ein E-Anteil in einer Größenordnung von 15 Prozent im Juni dieses Jahres.
Auch außerhalb Europas nennt Stellantis starke Positionen bei Transportern. Da wäre mit 33,9 Prozent die unangefochtene Rolle als Nummer eins in Südamerika. Platz drei mit einem wachsenden Anteil in Nordamerika. Schließlich 22,3 Prozent Marktanteil in der kombinierten Region Nahost und Afrika.
Volkswagen Nutzfahrzeuge: Kosten runter
Hier geht es noch härter zur Sache als beim Dauerrivalen mit Stern. Sickerte doch durch, dass VW womöglich sein Transporter-Stammwerk in Hannover schließen will. Die Überlegung ist nicht von der Hand zu weisen, hat sich doch das Fertigungsvolumen in Hannover durch den Wechsel der einstigen Marken-Ikone VW Transporter zu Ford fast halbiert. Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) lieferte in den ersten sechs Monaten 2026 genau 192 171 Fahrzeuge aus, ein Plus von 7,1 Prozent zum Vorjahres-Zeitraum. Der Absatz sank dagegen um vier Prozent auf 216 000 Einheiten.
Annähernd parallel zum Absatz sanken die Umsatzerlöse von VWN im ersten Halbjahr 2026 um fünf Prozent auf 8,24 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis dagegen stieg um ein Drittel auf 275 Millionen Euro, eine Quote von immer noch nicht üppigen gut drei Prozent. Als Begründung werden Einsparungen genannt. Mit seiner Umsatzrendite übertraf VWN prozentual Volkswagen Pkw – geht da noch was in und für Hannover?.






