Mercedes Elf: laden so rasant wie tanken

von | 14. Oktober 2025

Mercedes

Mercedes Elf: V-Klasse als Zauberkasten der Stromversorgung.

Mercedes arbeitet mit dem Experimental-Lade-Fahrzeug Elf am vernetzten Ladesystem. Mercedes Elf: laden so rasant wie tanken.

Das bekannte Kartenspiel heißt seit genau 100 Jahren: Elfer raus. Bei Mercedes heißt es jetzt Elfer rein. Das Experimental-Lade-Fahrzeug – kurz Mercedes Elf –  auf Basis einer V-Klasse steht für extrem schnelles Laden, neue Lademöglichkeiten und verwandelt das Fahrzeug in eine Stromtankstelle für die Umgebung.

Höchstleistungsladen im Megawattbereich für künftige Mercedes-Ladeparks?

Die Kollegen von Daimler Trucks sind sind für Mercedes-Entwickler weder inhaltlich noch räumlich weit entfernt. Also liegt’s nahe, mal mit einem Van auszuprobieren, was die Laster können – Megawattladen. Also ran mit einem MCS-Stecker vom Lkw und erproben, was Hochvoltbatterien, Leistungselektronik und andere Komponenten aushalten. In die gleiche Richtung zielt Höchstleistungsladen mit dem gewohnten CCS-Stecker. Im Mercedes Elf sind bis zu 900 kW Ladeleistung drin. Das wären 100 kWh in zehn Minuten und liegt nahe am Tempo beim Tanken an der Dieselsäule.

Dieses Tempo ist allerdings weit entfernt von der Leistung aktueller Schnellladesäulen. Daher hat Mercedes zusammen mit Alpitronic eine entsprechende Stromstation entwickelt. Basis ist eine Lkw-Säule fürs Megawattladen in Kombination mit einem CCS-Kabel. Bei unverändert hoher Kühlleistung. Ziel ist eine neue Generation von Schnellladern, die in speziellen Mercedes-Ladeparks zum Einsatz kommen sollen.

Induktion und Konduktion: Aufladung mal ganz anders

Induktives Laden des Smartphones im Auto ist inzwischen gängig, fürs gesamte E-Fahrzeug jedoch vielfach diskutiert aber noch nicht in der Praxis umgesetzt. Vorteil der kontaktlosen Aufladung: Sie ist nach außen unsichtbar und komfortabel, kein Theater mit Kabeln und Steckern. Das Versuchsfahrzeug Mercedes Elf kann per magnetischer Resonanz kabellos mit 11 kW im Tempo üblicher Wallboxen laden. Mercedes testet dabei unter anderem die präzise Fahrzeugpositionierung und den Abstand zum Boden.

Dann wäre da konduktives Laden, eine Mischform aus induktiver Aufladung und Wallbox. Auch hier liegt im Boden eine Ladeplatte, sie wird jedoch fest über einen sogenannten Connector mit dem Fahrzeug verbunden. Ebenfalls mit 11 kW Ladeleistung. Dieses Thema ist ähnlich von einigen E-Stadtbussen bekannt, die per Stromabnehmer auf dem Dach mit der Stromversorgung verbunden werden.

Bidirektionales Laden: Vorteile für gewerblichen Einsatz, Kosten und Versorgungssicherheit

Ein weiteres Entwicklungsfeld des Mercedes Elf betrifft bidirektionales Laden, sprich die Einleitung ins Stromnetz oder die Versorgung von elektrischem Gerät. Dieser letzte Punkt (V2L) per Wechselstrom (AC) ist bereits Stand der Technik und umfasst zum Beispiel den Betrieb von Kälteanlagen von Kühlfahrzeugen oder E-Werkzeugen. Hinzu kommt die Einspeisung über eine Wallbox ins Haus- und Gebäudenetz (VTH, VTB) oder das öffentliche Stromnetz (VTG). Einen Schritt weiter geht die Rückspeisung per Gleichstrom (DC) über eine DC-Wallbox ins öffentliche Stromnetz (V2G) und direkt ins Haus- oder Gebäudenetz (V2H, V2B).

Daraus können sich bei intelligenter Nutzung Kostenvorteile ergeben und die Sicherheit der Stromnetze unterstützt werden. Hinzu kommen die Themen Autarkie und Notstromversorgung: Eine Hochvoltbatterie in einem Elektrofahrzeug mit 70-100 kWh Kapazität kann einen durchschnittlichen Einfamilienhaushalt für mehrere Tage vollständig mit Strom versorgen (V2H) – ideal bei Stromausfällen oder zur Ergänzung einer Photovoltaikanlage.

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