Experten-Fahrbericht: Peugeot Boxer mit JPM-Kipper
Transporter aus einer Hand, auf- und ausgebaut im eigenen Werk. Aus einer Hand, zu einem Preis, mit einer Garantie. Das ist die Idee von Custom Fit der Stellantis-Transportersparte Pro One. Da darf’s dann auch mal etwas deftig zugehen.
Fangen wir mal hinten an. Der Peugeot Boxer ist in aktueller Form schließlich in seinen Grundzügen seit knapp 20 Jahren bekannt. Zusammen mit seinen Geschwistern Citroen Jumper, Fiat Ducato und Opel Movano bildet er eine rüstige Senioren-WG in der Liga der 3,5-Tonner.
Den Dreiseitenkipper liefern Peugeot und Konsorten im Rahmen der Stellantis-Initiative namens Custom Fit aus einer Hand. Er wird sogar gleich im Werk aufgebaut. Der JPM-Aufbau in Aluminium-Bauweise kombiniert Rustikalität mit Leichtigkeit. Die Steckverbindungen von Aufbau und Hilfsrahmen wirken einschließlich ihrer Sicherungen mehr als handfest, ebenso die Verriegelungen der Bordwände – einfach leicht anheben und drehen. Oder die simplen Zurrösen, von oben gesteckt, von unten per Mutter gesichert.
Dann wäre da unten die Kombination aus Schere plus kleinem Zylinder statt der anderswo verwendeten mächtigen Hubzylinder unter der Kippbrücke. Und oben eine materialschonende Abdeckung der Bordwände. Schließlich die Aluminium-Konstruktion mit einem 3,5 Millimeter starken einteiligen Boden, Diese leichte Ausführung sichert der dieselgetriebenen Doppelkabine mit 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse als Diesel eine Nutzlast von gut einer Tonne.
Bleiben wir noch kurz beim Gewicht. Ungleiche Lastverteilung mit gewichtiger Fracht irritiert den Kipper nicht, auch darf es abseits der Straße gern eine Schaufel Kies mehr sein. Mit 2,1 Tonnen zulässiger Achslast vorn und 2,4 Tonnen hinten bietet der Peugeot Boxe üppige Reserven. Falls alles nicht reicht: Der Kipper darf 2,9 Tonnen ziehen. Doch Vorsicht: Abseits der Straße stößt dann die Traktion des Fronttrieblers an Grenzen – er ist nicht für die ganz harten Einsätze gedacht und gemacht.
Die deftigen Achslasten bedeuten im Umkehrschluss: Dieser Transporter markiert leer den harten Hund. Dieser Boxer teilt deftige Haken aus. Gut vier Meter Radstand und Vorderradantrieb begrenzen die Wendigkeit, der Boxer tänzelt nicht im Ring, er marschiert unbeirrt geradeaus. Dabei unterstützt ihn seine geschmeidige Maschine. 2,2 Liter Hubraum und 103 kW (140 PS) passen, denn das Triebwerk arbeitet sowohl kultiviert, als auch bei sehr niedrigen Drehzahlen durchzugsstark. Das maximale Drehmoment von 380 Nm ist nicht von Pappe.
Etwas pappig und somit schlicht wirkt dagegen das Innenleben der Doppelkabine. Einfache Verkleidungen, viel Blech, Verzicht auf praktische Sitztruhen auf der Beifahrerseite oder unter der viersitzigen Bank im Fond – die Doka ist auf Einfachheit getrimmt. Für Kerle in Arbeitszeug und mit Stiefeln. Da sind dann ein paar Schrammen und Schrunden nicht so schlimm. Und schrullig wirkt seit fast 20 Jahren Boxer die merkwürdige Sitzposition.
Dagegen ist die Bedienung mitsamt Assistenzsystemen auf der Höhe der Zeit. Da wäre die feine, elektrisch unterstützte Lenkung. Oder die Instrumente, die in analoger Grundausführung viel besser abzulesen sind als in angeblich höherwertigen Varianten.
Das alles gibt es mit kurzem und langem Radstand sowie als Doppelkabine, mit zwei Motoren, Schalt- und Automatikgetriebe. Als Peugeot Boxer ab netto 46 250 Euro. Und da wäre da noch eine Ausführung mit Hinterkipper von Scattolini und das ganze Paket auch von den Konzerngeschwistern.
Hier sind die Infos zu Custom Fit von Stellantis Pro One und mehr:
Stellantis Custom-Fit: Aufbauten ab Werk, Experten-Report
Experten-Test: Fiat E-Ducato
Experten-Fahrbericht Citroen E-C3 Electric Van: Sachen gibt’s…
Randolf Unruh
Randolf Unruh
Randolf Unruh
Dani Heyne/Stellantis 







