Experten-Fahrbericht: Citroen Ami Cargo, Gullivers Reisen
Gut 200 Kilogramm Zuladung für Fahrer und Fracht, vor Ort abgasfrei und rechterhand eine Ablage für kleinere Ladungen oder größere Werkzeugkoffer und Material. Der Citroen Ami Cargo fährt in seiner eigenen Welt.
Die Türen des Ami – übersetzt: Freund – sind links wie rechts identisch, die Fahrerpforte ist hinten angeschlagen, der Eingang liegt also vorn. Das nannte man einst „Selbstmördertüren“, besser nicht drüber nachdenken. Einfädeln ist für Großgewachsene etwas mühsam, doch wer sich dann dafür eine Schlängeltechnik ausgedacht hat und drinsitzt, wundert sich über den Platz. Eine knallfarbige Schlaufe genügt zum Zuziehen der Tür.
Die Sicht ist angenehm, dank des großen Dachfensters auch auf Ampeln. Und hinter den Sitzen ist ohnehin Schluss. Eine Heizung mit lautstarkem Gebläse ist ebenfalls an Bord. Die Außenspiegel ähneln Monokeln. Sie sind sogar von innen verstellbar – sofern der Fahrer wie einst bei der Ente das Seitenfenster hochklappt und hinausgreift.
Es gibt vorn eine Ablagewannen und Türnetze für Kleinkram. Von Instrumenten kann beim Minimal-Cockpit im winzigen Citroen Ami Cargo kaum die Rede sein. Auch nicht sonderlich von Bedienung – wo fast nichts ist, gibt’s weder Lob noch Tadel zu verteilen. Und wo wenig ist, kann auch wenig kaputtgehen.
Das Cargo-Paket setzt sich aus einer Abdeckung von Sitz und Fußraum auf der Beifahrerseite sowie einer Abtrennung zum dünn gepolsterten Fahrersitz zusammen. Und jetzt bitte einladen, Werkzeugkästen und etwas Material, weiteres passt hinter die Sitze und vorn in die Ablageschalen. Dann nichts wie hinein in verkehrsberuhigte Zonen, in Fußgängerbereiche. Und überall hin, wo es für alle anderen heißt wie für den Hund beim Metzger: „Wir müssen draußen bleiben.“ Also auch, dem Weg der Stapler folgend, in die Werkhalle zum Service an Anlagen und Maschinen. Abgase gibt’s ja keine und der Kleine nimmt schließlich kaum mehr Platz weg als zwei Industriepaletten, stört daher nicht.
Der elektrisch angetriebene Zwerg ist ein Leichtfahrzeug nach Stufe L6e. Das heißt recht einfach zu erwerbender Führerschein Klasse AM für den Azubi ab 15 Jahre. Vielleicht bringt er ihn sogar schon mit, weil er einen Roller fährt. Die Leistung ist auf sechs kW (acht PS) begrenzt, das Maximaltempo auf 45 Sachen und eine Zuladung von lediglich gut 200 Kilogramm. Auch ein Verzicht auf all die Assistenzsysteme die heute üblich sind. Die Batterie verfügt über eine Nennkapazität von 5,4 kWh, das soll für 75 Kilometer reichen. So weit allerdings wird kein halbwegs vernünftiger Mensch am Tag mit dem Autochen fahren. Geladen wird dann an der Schuko-Steckdose.
Auf schnellen Stadtetappen und Ausfallstraßen wären 60 km/h ganz nett, da entpuppt sich der Knubbel als Verkehrshindernis und es staut sich auch mal dahinter. Aber übel nimmt dem Kleinen seine dezente Fortbewegung so gut wie niemand. Aber in der City sind alle gleichschnell, hält der Kurze gut mit. Und mit einem Wendekreis von 7,2 Metern fährt er ausgewachsenen Lieferwagen und Transportern mühelos um die Ohren. Parkt mit nur 2,46 Meter Länge auch mal quer ein.
Sitzkomfort gibt es ebenso wenig wie Federungskomfort, der kleine Brummer sucht Schlaglöcher – und findet sie. Alle. Der hinten angesiedelte Antrieb arbeitet bei alldem erstaunlich laut. Schiebt aber bis gut 30 Sachen kräftig an. Aussteigen ist dann wieder ein wenig umständlich. Aber abends möchte man den Citroen Ami Cargo, den Freund, nach getaner Arbeit am liebsten unter den Arm nehmen und ins Warme tragen.
Elektrisch angetriebene Zwerge haben Konjunktur. Hier sind noch mehr von ihnen:
Neuer Mikrotransporter Tyn-e LTX: der süße Gernegroß
Nachwuchs bei Renault: Mikro-Transporter Mobilize Bento
Randolf Unruh
Randolf Unruh
Citroen






