Experten-Fahrbericht: Iveco eJolly und eSuperjolly

von | 17. April 2026

Iveco spielt Quartett: Im Programm sind jetzt vier E-Transporter. Experten-Fahrbericht: Iveco eJolly und eSuperjolly.
Randolf Unruh

Neuer Iveco eSuperjolly: 3,5-Tonner über überschäumendem Temperament.

Mehr „E“ geht nicht im Segment der Transporter. Zum Dauerbrenner Iveco eDaily und dem noch frischen eMoovy gesellen sich zwei bewährte Kräfte aus dem Stellantis-Stall: Iveco eJolly und eSuperjolly. Ergibt zusammen vier Transporter die außer einem vollelektrischen Antrieb und dem Markenzeichen nichts miteinander zu tun haben – das muss man sich leisten wollen und können. Wir haben mit den beiden Neuen eine Runde gedreht – und sind auf alte Bekannte gestoßen.

Randolf Unruh

Neuer Iveco eJolly: kompakter Transporter der sanften Sorte.

Der Kompakte: Iveco eJolly

Mit dem eJolly dringt Iveco erstmals in das Segment der Kompakt-Transporter deutlich unterhalb der 3,5-Tonner vor. Plus/minus drei Tonnen zulässige Gesamtmasse sind hier das Maß der Dinge.

Der eJolly ist ein Ableger der Stellantis-Sammlung aus Citroen Jumpy, Fiat Scudo und Peugeot Expert, ein weiterer Kollege ist als Toyota Proace unterwegs. Die Stellantis-Jungs sind mit zehn Jahren nicht mehr die frischesten, aber doch von ganz anderem Schlag als ihre großen Brüder. Für den Iveco eJolly heißt das: vergleichsweise niedrige Sitzposition, mit Beladung ein sanftes Fahrwerk, kein explosiver sondern ein gelassener Antritt – der eJolly ist der Softie unter seinesgleichen.

Sanftes Temperament zwei Batterievarianten

Aber 100 kW Leistung sind auch nicht von schlechten Eltern und genügen im Alltag vollauf. Zumal hier ja bei maximal 3,2 Tonnen Schluss ist, sich kein Hochdach gegen den Wind stemmt und sich die Anhängelast auf lediglich eine Tonne beschränkt. Das ist ebenso knapp wie die Batteriekapazität der kleinen Variante von brutto 49 kWh, nutzbar sind etwa zehn Prozent weniger.

Also her mit dem größeren Akku und netto 69 kWh Energie. Das Ladetempo erscheint mit maximal 100 kW an der Schnellladesäule eher gelassen, passend zum Temperament des Transporters. Die konfigurierbaren digitalen Instrumente sind hier wie überall ein wenig gewöhnungsbedürftig, die Regler für den E-Antrieb etwas fummelig.

Laderaum mit Verlängerung, Stromanschluss für Einbauten und Geräte

Und der eJolly packt an. Die Nutzlast des eJolly beläuft sich auf 900 bis fast 1300 Kilogramm, abhängig von Batteriegröße, zulässiger Gesamtmasse und der Länge von 4,98 oder 5,33 Metern. Die Karosserie bleibt unter der wichtigen Zweimeter-Höhenmarke, in den Laderaum passen 5,1 bis 6,3 Kubikmeter. Je nach Job auch mehr, mittels der Kombination einer Ladeklappe in der Trennwand mit einem Schwenksitz auf der Beifahrerseite. Praktisch ist ein Stromanschluss mit 5 kW Leistung für Einbauten oder Geräte, er läuft auch eine Viertelstunde nach Abstellen des E-Motors. Das ist zum Beispiel gut für die Kühlkette beim Ein- und Ausladen.

 

Der Große: Iveco eSuperjolly

Geht der eJolly als typische Erweiterung des Angebots nach unten durch, so ist die Lage bei den 3,5-Tonnern kurios. Gönnt sich Iveco doch drei Modelle völlig unterschiedlicher Herkunft und Auslegung. Da wäre der wuchtige eDaily mit Heckantrieb, lieferbar in einer Vielzahl von Varianten als Fahrgestell und Kastenwagen. Und der eMoovy, ein Hyundai-Fahrgestell mit Van-Fahrerhaus und Aufbauten, leicht, niedrig, hochmodern.

Hinzu stößt nun der eSuperjolly, er geht unmittelbar auf die Elektrovarianten von Citroen Jumper, Fiat Ducato, Opel Movano und Peugeot Boxer zurück, ergänzt um den Toyota Proace Max. Iveco argumentiert, dass die Kunden noch einen geräumigen Kastenwagen mit Frontantrieb gebrauchen können.

Randolf Unruh

eSuperjolly: altbackenes Fahrerhaus, unkomfortable Sitzposition.

Ein Senior mit überschäumendem Temperament

Der eSuperjolly hat trotz seiner neuen Bezeichnung in den Grundzügen von Fahrerhaus, Karosserie und Fahrwerk inzwischen 20 Jahre auf dem Buckel und ist somit der ehrwürdige Chef im Ältestenrat seiner Klasse. Man merkt’s ihm an, die Sitzposition ist von vorgestern, das Fahrwerk leer oder teilbeladen schwer verdaulich und die Karosserie ächzt und stöhnt mitunter, Senioren können klagen. Aber sind mitunter verblüffend modern: Da wären im Cockpit ein praktischer Drehknauf für die Fahrtrichtung und hübsch konfigurierbare Instrumente, bemerkbar machen sich zeitgemäße Assistenzsysteme.

Und fit ist der Senior, topfit. Dank einer deftigen Motorleistung von 205 kW und überschäumendem Temperament reißt er gewaltig an und braust der jüngeren Transporterwelt um die Ohren. Superfröhlich, so lautet die wörtliche Übersetzung von Superjolly. Mit seiner Batterie von 98 kWh nutzbarer Kapazität – Iveco nennt die optimistischere Brutto-Kapazität von 110 kWh – rollt der eSuperjolly trotz alller Munterkeit recht weit. Auch lädt er zügig mit maximal 150 kW. So ein Transporter-Senior hat’s drauf, auch wenn das Altenteil näher rückt.

Obacht beim Blick auf die Waage und die Modellauswahl

Angesichts der üppigen Batterie gilt es, Gewicht und Nutzlast im Auge zu behalten. Ausweg wäre eine Aufstockung auf 4,25 Tonnen zulässiger Gesamtmasse, begleitet von den bekannten verkehrsrechtlichen Einschränkungen. Ergänzend kommt eine sympathisch-hohe Anhängelast von 2,4 Tonnen hinzu. Das alles gibt’s recht kompakt in Längen von 6,0 und 6,4 Metern und zwei Höhen mit maximal 17 Kubikmeter Ladevolumen.

Genau hinschauen: Preise, Service, Finanzierung

Bei den Preisen schweigt sich Iveco Lkw-typisch bekanntermaßen aus. Sie werden sich jedoch an den Geschwistern orientieren müssen. Der Fiat E-Ducato als Pendant zum eSuperjolly zum Beispiel startet nach der Liste im Netz bei netto 51 300 Euro. Für rund 12 000 Euro weniger taucht der Opel Vivaro Electric auf, Zwillingsbruder des eJolly.

Bleibt die Frage, weshalb Iveco wählen und keines der zahlreichen Schwesterfabrikate mit ihrer flächendeckenden Verbreitung, zu denen sich auch Toyota gesellt? Vielleicht, weil der Fuhrpark auch größere Kaliber von Iveco umfasst und aus einer Hand sein soll. Oder weil eine Lkw-Werkstatt à la Iveco ganz selbstverständlich auch samstags arbeitet, manche auch 24 Stunden. Oder wegen einfallsreicher Finanzierungen: Im Programm „Gate“, einer Langzeitmiete, zahlen Iveco-Kunden Monat für Monat nur die tatsächlich gefahrenen Kilometer. Somit rücken Einsätze und Fahrzeugkosten näher zueinander. Da wird das Quartettspiel plötzlich richtig interessant.

Was die Jollys und ihre Geschwister können, steht hier in aller Ausführlichkeit:
Experten-Test: Iveco eMoovy, E wie Elektro und einzigartig
Experten-Test: Opel Vivaro Electric XL
Experten-Test: Fiat E-Ducato
Experten-Test: Iveco eDaily 42 S 14 E
Und dann wären da noch die großen Geschwister mit E-Antrieb:

Fahrvorstellung: Die neuen Iveco S-eWay

 

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