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Wohnmobile: Vorwärts- oder Rückwärtsgang?

von | 24. August 2026

Händler- und Vermieterpleiten, jetzt startet der Caravan-Salon, Auftakt zur Saison 2027. Wohnmobile im Rückwärtsgang?
Randolf Unruh

Caravaning-Branche: Interesse groß, Zulassungen zuletzt rückläufig.

Mit der Messe Caravan-Salon in Düsseldorf läutet die Caravaning-Branche am kommenden Wochenende die Reisesaison 2027 ein. Wir haben mal nachgeschaut, wie es der Branche und den großen Playern geht.

Wohnmobil-Neuzulassungen seit Monaten rückläufig

Bad news are good news? Die uralte Medien-Regel findet in der Caravaningbranche Nahrung. In jüngerer Zeit mussten namhafte Vermieter sowie Händler von Wohnmobilen und Caravans Insolvenz anmelden. Jetzt folgte mit Vanever ein weiterer großer Vermieter, der Mitte August sogar den Geschäftsbetrieb eingestellt hat. Da platzen Urlaubsträume, gehen Anzahlungen verloren und es wirft ein schlechtes Licht auf eine Branche, die nach goldenen Jahren den Gürtel enger schnallen muss.

Das zeigt ein Blick auf die Neuzulassungen in Deutschland, die seit mehreren Monaten deutlich rückläufig sind. So meldet das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) für Juli 2026 exakt 6021 neue Wohnmobil-Registrierungen, im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 15,7 Prozent. Bereits in Mai und Juni waren die Neuzulassungen im zweistelligen Prozentbereich rückläufig. Über das ganze Jahr hinweg nimmt sich der Verlust mit lediglich 2,0 Prozent zwar harmlos aus. Dies aber hängt mit reichlich Zulassungen, darunter Tages-Zulassungen, im Frühjahr zusammen, bedingt durch die verschärfte Abgasbestimmung EU 6e. Fahrzeuge aus älteren Produktionszeiträumen wären danach nicht mehr zulassungsfähig gewesen. Tages-Zulassungen aber senken den Wert sofort, auch Wohnmobile aus Insolvenzen.

Die wenig optimistische allgemeine wirtschaftliche Stimmung und das seit Jahren arg hohe Preisniveau zusammen mit teureren Finanzierungen trägt ebenfalls nicht zur Entspannung bei. Entsprechend geht der Trend aktuell zu Sondermodellen und günstigeren Einstiegsfahrzeugen. Und die Branche blickt mehr denn je gespannt auf den Caravan-Salon.  Die großen Hersteller indes haben mit teils drastischen Maßnahmen die Kurve gekriegt.

Knaus-Tabbert: weniger Wohnmobile und Umsatz, mehr Campervans und Gewinn

Ausgerechnet der zuvor heftig gebeutelte Konzern Knaus-Tabbert sieht nach der ersten Hälfte des Geschäftsjahr 2026 wieder Licht am Ende eines langen düsteren Tunnels. Zwar sanken die Umsätze in den ersten sechs Monaten um 11,9 Prozent auf 503,9 Millionen Euro, doch das bereinigte Ebit, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, stieg von 4,4 auf 22,5 Millionen Euro. Damit erzielte der Konzern im operativen Geschäft eine Marge von 4,5 Prozent. Indes sackte der Cashflow – die Differenz zwischen Ein- und Ausgaben im operativen Geschäft – im zweiten Quartal drastisch bis in den Minusbereich. Das bedeutet nach dem ersten Halbjahr 27,4 Millionen Euro nach 74,1 Millionen im Vorjahr.

Die Quote des Eigenkapitals ging von 19,4 auf 16,4 Prozent zurück. Die Zahl der abgesetzten Wohnmobile sank im ersten Halbjahr deutlich von 3704 auf 2846 Einheiten, die Campervans dagegen kletterten von 2776 auf 2974 Einheiten. Im Minus lagen mit 10 551 nach 11469 Fahrzeugen die Caravans.

Erwin-Hymer-Group: jüngst kräftig im Aufwind

Die Erwin-Hymer-Group – kurz EHG – ist der europäische Zweig der nordamerikanischen Thor-Gruppe. Hier endete das Geschäftsjahr am 31. Juli, daher liegen aktuelle Zahlen erst für drei Quartale bis Ende April 2026 vor. Thor meldet für sein europäisches Geschäft mit Wohnmobilen, Campervans und Caravans für diesen Zeitraum einen Anstieg des Umsatzes um 10,8 Prozent auf 2,33 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn vor Steuern brach indes von 49,7 auf 17,2 Millionen Dollar ein.

Indes hat sich der Wind bereits gedreht: Belief sich das Ergebnis im dritten Quartal des Vorjahres auf 46,3 Millionen Dollar, so sind es in diesem Jahr 56,2 Millionen. Die Zahl der Auslieferungen stieg in den drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahrs um 2,2 Prozent auf 32 253 Einheiten. Der Auftragsbestand liegt mit 1,36 Milliarden US-Dollar ein Prozent über dem Vorjahr, der Bestand bei Händler reduzierte sich um 11,2 Prozent auf 20 400 Einheiten.

Thor nennt für Europa einen Anstieg der Materialkosten sowie einen höheren Anteil von Sondermodellen. Sie senkten den Durchschnittspreis pro Fahrzeug und die Marge. Ebenso wird die Bilanz durch höhere Garantiekosten beeinflusst sowie 15,8 Millionen Dollar Kosten für Restrukturierungsmaßnahmen. Höhere Garantiekosten gleich ein Qualitätdproblem?

Trigano mit Rekordumsatz

Traditionell im Wettstreit um die europäische Krone des Caravanings mit der EHG ist der französische Trigano-Konzern. Dessen Umsätze legten in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahrs 2025/26 (es endet im August) um 4,3 Prozent auf 2,94 Milliarden Euro zu. Der Löwenanteil von 2,55 Milliarden (plus 4,7 Prozent) entfiel dabei auf Wohnmobile, Campervans und Caravans. Für das dritte Quartal meldet Trigano sogar einen Rekordumsatz von 1,16 Milliarden, davon 986 Millionen für Wohnwagen, Campervans und Caravans.

Die Fertigung der Wohnmobile und Campervans stieg um 15 Prozent. Laut Trigano ist dies auf den Brand bei einem Zulieferer zurückzuführen. Daher verließ eine größere Zahl unfertiger Fahrzeuge die Bänder. Gleichzeitig ergab dies eine Begrenzung des Absatz-Zuwachses an das Händlernetz auf 2,5 Prozent sowie einen leichten Rückgang der Auslieferungen an Kunden. Dagegen meldet Trigano einen Anstieg der Verkäufe von Caravans um beachtliche 17,2 Prozent, wenn auch auf insgesamt niedrigem Niveau.

Angaben über das Ergebnis einschließlich des dritten Quartals waren bis Mitte August noch nicht verfügbar. Für die erste Hälfte des Geschäftsjahrs nannte Trigano ein operatives Ergebnis von 159,3 Millionen Euro, das entspricht einer Marge von exakt neun Prozent. Das Netto-Ergebnis belief sich auf 121,3 Millionen, entsprechend einer Marge von 6,8 Prozent. Beide Ergebniszahlen bedeuten einen Zuwachs von jeweils etwa zehn Prozent zum Vorjahr.

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