Aufbauer auf der IAA: groß in Form
Aufbauer sind die Würze in der bunten Transporter-Suppe. Sechs Beispiele. Aufbauer auf der IAA: groß in Form.
Was darf’s denn sein im klassischen Bereich für Transport, Bau und Handwerk – Kipper, Koffer oder Pritsche? Maßgeschneidert für E-Transporter oder den schlanken Geldbeutel? Sechs ausgesuchte Beispiele von ganz vielen auf der IAA.
Junge: mit dem leichten Urban Star durch die City
Urban City heißt die neueste Kreation von Kofferspezialist Junge, gefertigt im nagelneuen Werk in Schwerin. Damit ist Junge gleich Erstausrüster für das Fahrgestell des neuen Ford Transit City, somit im praktischen Einrechnungsgeschäft. Der neue Kofferaufbau ist für diverse Trockenfracht-Transporte gedacht. Im Mittelpunkt steht Leichtbau von Wänden und Boden. Es gibt diverse Türvarianten für Heck und Seite, Trittstufen, auch eine Schiebeplane für fixe und großräumige Beladung von der Seite. Dazu zwei Längen von 2465 und 3065 Millimetern und zwei Höhen von 1350 und 2000 Millimetern. Das Volumen beläuft sich auf 6,5 bis 12,0 Kubikmeter. Bei der Variante mit Tiefrahmen läuft man fix hinein, hat es drinnen aber mit Radkästen zu tun. Umgekehrt bei der hohen Ausführung: höherer Ladeboden aber freie Bahn im Koffer. Mit Rückwandtüren beträgt das Gewicht je nach Größe lediglich 245 bis 325 Kilogramm.
Angesichts des Leichtgewichts wundert es nicht, wenn nebenan auch der kompakte Kia PV5 mit Junge Urban Star parkt. Mit niedrigem Koffer und ohne Spoiler, schließlich sind bereits die Aufbaukanten sanft gerundet. Auf Basis Ford Transit City fällt der gepfeilte Dachspoiler fürs Fahrerhaus ins Auge, Ford hat ihn aerodynamisch verfeinert.
Scattolini: Scattobox mit umfangreicher Ausstattung
Das italienische Fabrikat Scattolini zählt zu den Alleskönnern im Segment Koffer, Kipper, Kühler und Pritsche. Klar, dass auch Scattolini sich des Transit City annimmt. Scattobox lautet die Bezeichnung für den Koffer, präsentiert als tiefe Variante mit Radkästen im Format 3100 x 2000 Millimeter.
Dieser Aufbau wiegt 445 Kilogramm und das hat seinen Grund. Die Seitenwände bestehen aus einem 30 Millimeter starken GfK-Sandwich mit einem Isolierkern aus XPS. Dieses Material – ausgeschrieben extrudiertes Polystyrol – ist auch aus dem Wohnmobilbau oder der Hausdämmung bekannt. Der Boden setzt sich aus 15 Millimeter Birke-Sperrholz zusammen, zur Ausstattung zählen drinnen ein 250 Millimeter hoher Aluminium-Rammschutz an Seiten und Stirnwand sowie Kombi-Ankerschienen zur Ladungssicherung. Zum Gewicht trägt auch die Seitentür mit Trittstufe bei.
Sommer: runter mit Kosten und Gewicht
Auf niedrige Kosten und Gewicht setzt Sommer beim Koffer namens Easy light. Wände aus Polypropylen-Waben (PP) mit GfK-Deckschicht, stabiles Dach, rutschhemmender Boden, eine Reihe Airline-Schienen, eine Handvoll Extras, weitgehend vorkonfektioniert und fix lieferbar. Trotzdem ist die Auswahl groß. Da wären zum Beispiel Ausführungen in hoher oder in niedriger Bauweise mit Türen, dann flache mit Radkästen. Oder mit Ladebordwand. Bei seinen Abmessungen hat Sommer eine hübsche Matrix aus drei Längen von 3600 bis 4400 Millimeter, 2150 und 2290 Millimeter Breite sowie drei Aufbauhöhen von 2100 bis 2380 Millimetern geschaffen. Bei den Ausführungen mit klassischer Höhe und Hecktüren resultieren daraus Gewichte von nur 310 bis 390 Kilogramm.
Beispiele für Komplettfahrzeuge gefällig? Wie wär’s mit dem 3,5-Tonner Toyota Proace Max mit Dieselmotor und knapp einer Tonne Nutzlast. Oder einem vollelektrisch angetriebenen Renault Master E-Tech mit Möbelkoffer einschließlich zwei Reihen eingelassener Stäbchenzurrleisten und Möbeltreppe? Da sind als Viertonner 1280 Kilogramm Nutzlast drin. Dass riesengroß auch superleicht sein kann, beweist ein ausladender 72er Iveco Daily Diesel mit einem Kofferaufbau im Lkw-Format von 6000 x 2500 x 2400 in Länge, Breite und Höhe sowie Ladebordwand. Er schultert stattliche 3,7 Tonnen – mehr als 50 Prozent der zulässigen Gesamtmasse.
JPM: wenn sich Ökologie und Ökonomie ergänzen
Die französischen Kipper- und Pritschenspezialisten von JPM haben sich auf die Fahnen geschrieben, den CO2-Fußabdruck in der Fertigung um 80 Prozent zu senken. Der Energieverbrauch soll um 50 Prozent zurückgehen. Dahinter mögen ökologische Überlegungen stehen, sicherlich auch ökonomische. Ein neuer Einbrennofen zum Beispiel ist erheblich kleiner im Volumen und wird mit Strom anstelle von Gas auf Temperatur gebracht. Die Schritte haben Folgen für die Fertigung und die Optik der Produkte. Prischen und Kippbrücken aus Aluminium werden nicht mehr lackiert sondern allein eloxiert. Die aufwendige Lackierung, so ein JPM-Mitarbeiter, sieht bei strapazierten Kippern ohnehin nur im Neuzustand attraktiv aus. Einige Komponenten wie die Aluminium-Stirnwand sollen gar nicht mehr beschichtet werden, Werkzeugkästen nur teilbeschichtet. Ziel ist der „Green Tipper“, der „grüne“ Kipper.
Veth: plattgemacht – von Kastenwagen zu Pritschen, Kipper, Plattform-Fahrgestellen
Sie haben es wieder getan: Die niederländischen Karosserieschneider von Veth sind dafür bekannt, Fahrzeuge zu schaffen, die es nicht gibt. Mit List und Lust entfernen sie Kastenwagen-Laderäume und setzen eine Pritsche oder einen Kipper aufs ausgebeinte Heck. Da VW vom Transporter als offene Variante nur eine Doppelkabine anbietet und Ford vom Zwillingsbruder Transit Custom rein gar nichts in diese Richtung, entstehen auf diesem Wege Pritschenwagen und Kipper mit Einzelkabine, mit beiden Radständen, als Diesel oder E-Modell. Vermutlich kommt auch jemand auf die Idee, auf die frisch präsentierte niedrige Plattform einen Kofferaufbau zu montieren.
Pritschen und Kipper kommen je nach Radstand auf Innenmaße von 2700/3100 x 2000 Millimeter in Länge und Breite. Die Nutzlast mit E-Antrieb soll sich auf 950 und 800 Kilogramm belaufen. Da Veth für derlei Aufbauten die Kastenwagen-Aufbauten lediglich bis Oberkante der Radläufe abschneidet, ähnelt die Optik einem Pickup. Mit einer niedrigen Plattform sieht die Angelegenheit naturgemäß anders aus und lässt Ideen für zahlreichen Aufbauten sprießen.
Suer: so leicht und durchdacht können Pritschen sein
Kompaktes Transporter-Fahrgestell mit Elektroantrieb und überschaubarer Nutzlast wie beim noch frischen Kia PV5 – klappt das mit einer Pritsche? Aber klar, wenn sie auf Leichtbau getrimmt und durchdacht ist, siehe Suer ASPLe. Die schlanke Pritsche aus geschraubtem Aluminium von Suer trägt jeweils zwei Europaletten hinter- und nebeneinander, kommt auf ein Gewicht von lediglich 200 Kilogramm. Das funktioniert unter anderem dank einer Bodenplatte aus einer Polypropylen-Platte (PP). Typisch Suer sind ebenfalls der seitlich verschiebbare Tritt in der rückwärtigen Bordwand, sichtbare Markierungsleuchten auch bei abgeklappten Bordwänden, komplett umlaufende Airline-Schienen als Ladungssicherung sowie Bordwandscharniere mit integrierten Netzhaken.
Beim Thema Aufbau ist was los, vor allem rücken Transporter-Hersteller und Aufbauer näher zusammen:
Experten-Report: Renault Master „Converted by Renault”
MAN TGE: neue Spitzenmotorisierung, vielseitige Aufbauten
Stellantis Custom-Fit: Aufbauten ab Werk, Experten-Report
Randolf Unruh
Randolf Unruh
Randolf Unruh
Randolf Unruh
Randolf Unruh 





