Experten-Report: Renault Master „Converted by Renault”
Transporter-Hersteller entdecken das Thema Aufbau. Mit „Converted by Renault” liefert die französische Marke jetzt ein ganzes Bündel Komplettfahrzeuge auf Basis Master. Zu kaufen beim Renault-Händler und gefertigt im Transporterwerk.
Es ist Fußball-Weltmeisterschaft, da zeigt man Flagge. Renault feiert ein Heimspiel. Vor der Halle mit der Aufbaumontage steht ein Transporter-Trio, hübsch arrangiert in den französischen Nationalfarben: ein blauer Master mit Hinterkipper von Gruau, ein weißer Dreiseiten-Kipper von JPM sowie ein roter Master mit Gruau-Pritsche. Alle „Converted by Renault“. Wie auch eine ganze Handvoll Transporter in unmittelbarer Nähe. Drei Master mit Kofferaufbauten von Gruau in unterschiedlichen Varianten, von JPM ein Dreiseitenkipper mit Werkzeugbox sowie eine Pritsche, von Gruau ebenfalls eine riesenlange Pritsche und ein Hinterkipper mit Werkzeugbox.
Das Konzept ist neu, jedenfalls für Renault. Komplettfahrzeuge auf Master mit Kipper, Koffer und Pritsche, montiert von zurzeit 40 Mitarbeitern in zwei Schichten in einer blitzsauberen Halle. Da ist noch Platz für Zuwachs, wie Renault ohnehin im Vorwärtsgang unterwegs ist. Transporterchef Jan Ptacek beziffert die Tagesfertigung des Werks auf 540 Transporter, macht jährlich etwa 100 000 Master für Renault und zusammen 20 000 Master für Renault Trucks und Nissan Interstar. Somit ist der noch junge aktuelle Master in die erste Liga aufgestiegen, ärgert Ford, Mercedes und Stellantis. Und zwei von drei Transportern, so Ptacek, werden auf- oder umgebaut.
Converted by Renault bedeutet Einkauf beim Renault-Händler aus einer Hand mit einer Rechnung, Finanzierung und Garantie. Mit nur einem einzigen Ansprechpartner und nur eine Lieferzeit. Indes ist die Auswahl zwangläufig begrenzt, es geht um Transporter von der Stange anstelle Maßanfertigung, um Serienfahrzeuge. Logisch sind für Renault regionale Partner, das heißt in diesem Fall die französischen Fabrikate Gruau und JPM. Hat es doch keinen Sinn, für die jeweiligen nationalen Märkte Aufbauten kreuz und quer durch Europa zu schicken. Das System lässt genug Luft für externe Aufbauer, die auf eigene Rechnung produzieren.
Die kantigen Gruau-Koffer mit ihrer markanten Rahmen-Bauweise messen in der Länge 3970 oder 4350 Millimeter und fassen zwischen 18 und 20 Kubikmeter. Knapp eine Tonne Nutzlast sind beim 3,5-Tonner maximal drin, sie schrumpft bei einer Ladebordwand – verschiedene Varianten sind möglich, ebenso bei den Türen – oder bei Wahl des Master mit Hinterrad- statt Frontantrieb indes zusammen.
Größer ist die Auswahl der Werksaufbauten bei Pritschen und Kippern. Da wären Einzel- und Doppelkabinen, Aluminium oder Stahl als Material, Front- oder Hinterradantrieb sowie zwei oder gar drei Längen. Kipper auch mit vorgelagerter Werkzeugbox. Das bedeutet zum Beispiel für Pritschen eine enorme Spanne. Los geht’s mit einem Fronttriebler von sechs Meter Gesamtlänge und 3,3-Meter-Pritsche aus Aluminium sowie 1,4 Tonnen Nutzlast. Die Angelegenheit mündet in einem ausladenden 7,2-Meter-Lulatsch mit 4,6 Meter langer Ladefläche auf einem Fahrgestell mit Hinterradantrieb und Zwillingsbereifung sowie einer knappen Tonne Zuladung. Dazwischen liegt fast alles, was das Herz begehrt. Und damit nun wirklich jeder weiß, dass es sich um einen kompletten Transporter von Renault handelt, ist hoch oben im Stirnwandgitter jeweils unübersehbar der Markenschriftzug ausgefräst.
Kümmert sich „Converted by Renault“ um weitgehend vorkonfektionierte Serienware, so wird’s beim zweiten Baustein namens „Qstomize“ – einer Marketing-Schreibweise von „Customize“ – individuell. Die Maßschneider gibt es unter dieser Bezeichnung bereits seit mehreren Jahren in 13 Renault-Werken mit zusammen 330 Mitarbeitern. Das Master-Werk hat auf diesem Gebiet mit 52 Beschäftigten besonders viel zu tun.
Das Repertoire reicht von individuellen Beschriftungen bis zu komplexen Ausbauten. Wie wär’s mit einem Kastenwagen als Doppelkabine mit wahlweise drei oder vier Sitzplätzen in der zweiten Reihe? Den Freiraum über den Sitzen nutzt Renault für eine Dachablage. Dafür entfällt eine Sitztruhe und der Laderaum verlängert sich.
Das Telekommunikationsunternehmen Orange erhält individuell ausgestattete Werkstattwagen, von der Einrichtung über einen Dachträger mit aufklappbarem Warnschild und eine klappbare Gittertrittstufe an der Schiebetür, einen 230-Volt-Anschluss bis zur Waschmöglichkeit innen an der Heckflügeltür. Der Ausbau dauert 20 Stunden, es scheint sich zu lohnen.
Gleich nebenan parkt ein Alu-Kipper des britischen Fabrikats TGS als Rechtslenker, stehen ein Werkstattwagen des Stromnetzbetreibers Enedis, auch ein Zustellfahrzeug mit Durchgang vom Cockpit zum Laderaum. Selbst wer nur individuelle Sitzbezüge haben will, wird hier fündig. Konfektion und Maßschneider zugleich – das könnte passen.
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Benoit Pitre/Renault
Benoit Pitre/Renault 






