Ford Universal EV Platform: alles neu, Pickup, Fertigung, Batterie

von | 15. August 2025

Ford

Ford-Manager Doug Fields präsentiert die Ford Universal EV Platform.

Die US-Regierung fährt rückwärts, Autohersteller vorwärts. Ford Universal EV Platform: alles neu, Pickup, Fertigung, Batterie.

Der Gegensatz könnte kaum größer sein: Während die aktuelle US-Regierung nichts mit Klimaschutz und Elektromobilität am Hut hat, ticken Autohersteller ganz anders. Auch weil sie längst getroffene Investitionsentscheidungen – hier über insgesamt fünf Milliarden Dollar – nicht mal eben schnell wieder abwickeln können. Siehe Ford: Der Konzern will und muss die hochdefizitäre E-Sparte ins Plus drehen. Zu diesem Zweck entwickelt das Unternehmen eine komplett neue und variable E-Plattform – die Ford Universal EV Platform – und richtet eine komplett neue Fertigung ein. Erstes Modell ist ein mittelgroßer Pickup. Hinzu kommt eine große Batteriefabrik. Mit Akkus auch für Transporter?

Die Batterie: LFP-Batterien aus einem neuen Werk – auch für Transporter?

Das Herz eines Verbrenners ist der Motor, eines E-Autos die Batterie. Es gibt zurzeit kaum Spannenderes als die Entwicklung und Fertigung von Batterien. Ford wagt sich in Michigan daran. In Bau ist der „Blue Oval Battery Park“ mit 1700 Mitarbeitern. Die Fertigung soll 2026 beginnen. Ins Auge gefasst ist eine Kapazität von 20 GWh. Im Projekt steckt die beachtliche Investition von drei Milliarden US-Dollar.

Geplant ist die Fertigung von Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) in prismatischer Form für die Ford Universal EV Platform. Frei von Kobalt und Nickel, sind sie vergleichsweise günstig, sicher und versprechen eine lange Haltbarkeit. Die Produktion der Vorserien-Batterien läuft bereits. Ford verspricht hohe Energiedichte und überschaubare Ladezeiten. Gedacht sind die LFP-Batterien für die kommenden Modelle auf Basis der neuen E-Plattform. Diese Batterien könnten jedoch ebenfalls in der nächsten Generation von E-Transportern von Ford zum Einsatz kommen. Hier ist die Rede von einem Start im Jahr 2028.

Zur Einordnung: Kaum etwas ist derzeit spannender als das Thema Batteriefertigung. Da wäre die Pleite von Northvolt, die ursprünglich geplante Kapazität von Tesla mit 50 GWh in Brandenburg, von VW mit drei Fabriken und zusammen 200 GWh in Deutschland (40) sowie Spanien und Kanada. Derweil fährt die chinesische Dampfwalze der Marken CATL sowie BYD. Hier wird in Europa bereits an mehreren Standorten gearbeitet, geplant sind jeweils drei Fabriken auf dem Kontinent.

Die Plattform: Ford Universal EV Platform, eine für alle

Der Zauberbegriff heißt „Ford Universal EV Platform“, erläutert Doug Field. Sein Titel: Chief EV, Digital and Design Officer. Für E-Fahrzeuge auf Basis herkömmlicher Modelle werden bisher Batteriewannen unterhalb der Karosserie zwischen den Achsen montiert. Bei der Ford Universal EV Platform bildet das Batteriepaket eine Einheit mit dem Fahrzeugboden.

Die kompakte Antriebseinheit spart Platz, zum Beispiel für einen „Frunk“, den zusätzlichen Stauraum unter der vorderen Haube. Geplant sind auf Basis der Ford Universal EV Platform mehrere unterschiedliche Fahrzeugmodelle. Los geht’s mit einem mittelgroßen viertürigen Pickup. Er soll den Durchbruch für die künftige Modellfamilie bringen. Ford nennt einen Startpreis von rund 30 000 Dollar und einen Auslieferungstermin ab 2027.

Die Fertigung: Fertigungsbaum statt Fließband

Ford hat einst mit dem Model T die Fließbandfertigung erfunden. Mit der Ford Universal EV Platform dreht sich die Welt weiter. Das Stichwort heißt „assembly tree“, Fertigungsbaum. Das beginnt bereits mit der Struktur des kommenden Pickups und seiner Geschwister. Große einteilige Aluminiumbleche sollen Dutzende kleinerer Teile ersetzen. Front und Heck werden separat produziert. Sie werden im Anschluss mit dem Fahrzeugboden einschließlich der dort integrierten Batterie verbunden. Zur dieser Komponente gehören ebenfalls die Einrichtung mit Sitzen, Konsole, Bodenteppich.

Die Ford Universal EV Platform soll auf diesem Weg im Vergleich zu einer herkömmlichen Produktion eine drastische Zahl der Teile – allein zwei Drittel der Bleche – und Befestigungspunkte einsparen, die Arbeitsstationen erheblich reduzieren und schließlich die Fertigungszeit um 15 Prozent senken. Ford steckt zwei Milliarden Dollar in die neue Produktion.

Interessant wird die Angelegenheit mit der Ford Universal EV Platform beim Blick auf der Kooperation mit VW bei E-Fahrzeugen – hat sie eine Zukunft?

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