Ford Transit: 60 Jahre – happy Birthday!

von | 11. August 2025

Er war der ewige Rivale des VW Transporter und ist inzwischen sein Kollege. Ford Transit: 60 Jahre – happy Birthday!
Ford

Spektakulär: Transit Custom für das Pikes-Peak-Bergrennen in Nordamerika.

Das Projekt lief unter der Tarnbezeichnung Redcap. Kein braves Rotkäppchen, sondern der Legende nach ein aggressiver britischer Kobold. Die Aufgabe: ein gemeinsamer Nachfolger für den deutschen Ford Taunus Transit, zuvor als FK bekannt, und den britischen Ford Thames. Da sich die Ford-Töchter nicht als Kollegen, sondern als Konkurrenten sahen, nahmen irgendwann die Amerikaner die Konzept-Entwicklung in die Hand. Am 9. August 1965 war es soweit, in Langley bei London lief der erste Ford Transit vom Band. Es war der Auftakt einer Weltkarriere mit inzwischen mehr als 13 Millionen Exemplaren.

 

Die erste Generation: rustikale Grundstruktur, aber der erste Supervan

Die Technik war mit starrer blattgefederter Vorderachse schlicht, das Design bauchig, der breite Grill amerikanisch-extrovertiert, die Außenspiegel gleich Insektenfühlern extrem weit vorn platziert, die V4-Motoren unter der kurzen Haube rau. Die meisten dieser Eigenheiten aber hielten, gestützt von zahlreichen Facelifts, gut 20 Jahre. Ein echter Dauerbrenner. In Deutschland segelte der Transit immer ein wenig im Windschatten des VW Transporter. In Großbritannien war und ist er, was für den VW hierzulande gilt: ein Kultauto. Seit 59 Jahren ist der Ford Transit bzw. Transit Custom der meistverkaufte Transporter im Vereinigten Königreich. Auch in Köln ist und war er Kult: Als Begleitfahrzeug im Karneval, legendär sind hochbepackte Transit im Urlauberverkehr über den Autoput Richtung Türkei.

Technisch kombiniert der Transit seine rustikale Grundstruktur mit technischer Avantgarde. In Großbritannien gesellt sich bald ein Diesel zur Motorenauswahl, zu erkennen an einer längeren Nase – Reihenmotoren verlangen nach Platz. Im Laufe seiner Karriere bekommt der Ford als erster Transporter serienmäßig Gürtelreifen, Scheibenbremsen, einen Dreiliter-V6, ein Overdrive-Getriebe, 1984 schließlich den ersten schnelllaufenden kompakten Direkteinspritzer-Dieselmotor. Britischer Humor und Sportsgeist zeigt sich beim Transit Supervan – erst mit der Technik des Ford GT40 und 294 kW (400 PS) Leistung, später mit einem nochmals 50 Prozent stärkeren V8 aus der damaligen Rennserie C.

Die zweite Generation: windschnittig, polarisierendes Design

1986 lernt die nächste Generation das Laufen. Mit einer windschnittigen Karosserie und üppiger Verglasung, damals polarisieriend, nun auch knapp vier Jahrzehnte später noch sehr ansehnlich. Die kurzen Varianten profitieren – endlich – von einer Einzelradaufhängung vorn. Es gibt ab Werk erstmals einen feinen Campingbus mit Ausbau von Westfalia. Sein Konzept mit Heckküche und Van-Architektur trägt abgewandelt bis heute. Benziner mit Katalysator,, erstmals schick ausgestattete Minibusse und vielseitige Freizeitfahrzeuge verbreitern das Programm.

Bald ist der Transit der erste Transporter mit Antiblockiersytem, auch mit elektronisch geregeltem Turbodiesel-Direkteinspritzer, jetzt bis zu 74 kW (100 PS) stark. Als weitere Transporterpremieren folgt die Serienausstattung mit Fahrer-Airbag und zwei Dreipunktgurten auf dem Beifahrer-Doppelsitz. Der Supervan 3 brilliert mit einem Formel-1-Motor und 480 kW (650 PS) Leistung. Kontrastprogramm dazu ist 1995 die Erfindung der Branchenmodelle, fertig ausgebaute Komplettfahrzeuge aus einer Hand.

 

Die dritte Generation: was darf’s sein, Vorderrad- oder Hinterradantrieb?

Der nächste Transit im Jahr 2000 kippt erneut Konventionen, es gibt ihn je nach Variante mit Quermotor und Vorderradantrieb oder längs montiert Maschine und Hinterradantrieb. Das hatte zwei Jahrzehnte zuvor Renault probiert, aber wieder aufgehört. Jetzt wird das Doppelspiel zum Vorbild für die Liga der großen Transporter. Wie ein Vierteljahrhundert zuvor haben Amerikaner die Entwicklungshoheit, verstärkt durch Briten und Deutsche. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Cockpit mit einer Fülle von Ablagen.

Auch technisch geht es weiter. Neue Motoren, bald ein Großraum-Kastenwagen als 4,25-Tonner, Diesel mit Common-Rail-Einspritztechnik. Der Transit bekommt Junge: Transit Connect heißt ein neuer Lieferwagen. Auch wechselt er den Standort: Geboren in Großbritannien hieß seine Heimat danach hauptsächlich Belgien, jetzt wird es für Europa die Türkei. Technisch heißen weitere Fortschritte Scheibenbremsen rundum, elektronisches Stabilitätsprogramm. Türkische Entwickler legen einen mächtigen Fünfzylinder-Dieselmotor mit 3,2 Liter Hubraum und 147 kW (200 PS) Leistung auf. Ein Allradantrieb stößt hinzu, der appetitlich hergerichtete Transit Sport, auch erste E-Modelle.

 

Die vierte Generation: Ford spielt Transit-Quartett

Im Rahmen des nächsten Modellwechsels 2013 wird der Ford Transit erstmals zum Amerikaner – Kansas City heißt seine Heimat für Nordamerika. Unter der Haube arbeitet dort landestypisch ein V6-Benziner mit 202 kW (275 PS) Leistung. Hinzu kommt ein kleinerer Bruder: Während sich der klassische Transit auf das Segment der 3,5-Tonner konzentriert, widmet sich der neue Transit Custom bereits ab 2012 in der Liga der Dreitonner. Das Programm teilt sich also nach knapp 50 Jahren erstmals. Zahlreiche Gemeinsamkeiten vom Fahrwerk über den Antrieb bis zum Cockpit eingeschlossen. Hinzu stoßen bald darauf Transit Connect und Transit Courier – Ford spielt Transit-Quartett. Begleitet von den Tourneo getauften Ausführungen für den Personentransport, nicht ganz unkompliziert.

Die Überschrift für zahlreiche Entwicklungen heißt inzwischen Assistenzsystem, gefolgt von elektrifizierten Ausführungen. Das umfasst sowohl Plug-in-Hybride als auch vollelektrifizierte Antriebe. Im Mittelpunkt steht der Ford E-Transit mit einem lupenreinen Hinterradantrieb und saftigen Leistungsdaten von wahlweise 135 kW oder 198 kW.

 

Die aktuelle Generation: Kooperation mit VW und heiße Renner

Im Hintergrund deutet sich derweil eine überraschende Zusammenarbeit an, Ford kooperiert mit dem Erzrivalen VW. Bei den Transportern betrifft das den Transit Connect, er ist künftig ein umgelabelter VW Caddy. Anders beim Transit Custom: Bei dessen Nachfolger, gleichzeitig Ablösemodell für den VW Transporter, hat Ford die Federführung und übernimmt auch die Fertigung. Ford hat ebenso bei der frühen Premiere im Jahr 2022 und bei den Auslieferungen ab 2023 die Nase deutlich vorn. Und gönnt sich abermals attraktive Ausführungen, etwa den exaltierten E-Transit Custom MS-RT, reichlich verspoilert und umfangreich ausgestattet sowie bärenstark. Oder in Nachfolge der Supervans einen spektakulären Renn-Transit mit rund 1000 kW Leistung für das legendäre Bergrennen auf den Pikes Peak in den USA.

Und es geht unverdrossen weiter: Fast jeder fünfte in Europa verkaufte Transporter in den Segmenten mit einer oder zwei Tonnen Nutzlast war 2024 ein Ford Transit oder Transit Custom

Wer tiefer in die Geschichte des Transit eintauchen will, dem sei das Buch „Ford Transit“ vom Autor dieses Textes empfohlen, erschienen im Heel-Verlag.

Und hier sind aktuelle Tests und Fahrberichte:
Experten-Test: Ford-E-Transit
Ford E-Transit Custom MS-RT: Lustwagen oder Lastwagen?
Experten-Test: neuer Ford Transit Custom
Ford Transit Connect Hybrid: Experten-Fahrbericht
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