Neuer Mercedes Marco Polo: Adieu Westfalia, hallo Ludwigsfelde

von | 3. Februar 2026

Mercedes

Mercedes Marco Polo: neuer Standort, neues Dach, neue Details.

Mercedes baut seinen Campervan jetzt selbst. Neuer Mercedes Marco Polo: Adieu Westfalia, hallo Ludwigsfelde.

Harter Schlag für Westfalia, Rettungsaktion für das Transporterwerk Ludwigsfelde: Mercedes verlagert die Fertigung des kompakten Campervans in sein eigenes Werk nahe Berlin. Damit endet eine jahrzehntelange Zusammenarbeit. Gleichzeitig tritt der Mercedes Marco Polo runderneuert an.

Neues Aufstelldach, Interieur verfeinert

Die Entwickler von Mercedes-Benz Vans haben den Marco Polo im Rahmen seines Quartierwechsels überarbeitet. Zum Beispiel erhält er ein Aufstelldach aus einer Aluminium-Doppelschale mit isoliertem Kern. Das Dach öffnet im hinteren Bereich zehn Zentimeter weiter, das bedeutet mehr Fußraum. Rund um das Aufstelldach setzt nun eine LED-Ambientebeleuchtung den Wohnraum ins rechte Licht. Die Lichtszenarien sind wählbar, von kühlen bis zu warmen Tönen. Ein neues Schiebedach lässt mehr Licht und Luft ins Innere.

Die geänderte Markise lässt sich jetzt inklusive Halterung komplett demontieren. Ihre Kurbel steckt griffbereit in der Halterung. Eine Verdunkelung mit magnetischer Befestigung verspricht einfache und rasche Handhabung. Ob sich Nachbarn auf dem Stellplatz über die neue Soundanlage mit acht Lautsprechern und Subwoofern freuen, muss sich noch herausstellen. Vielleicht laden die Reisenden im neuen Mercedes Marco Polo sie einfach ein und präsentieren den verbesserten Klapptisch, das überarbeitete Bedienpanel an der Sitzbank und bieten ein Getränk aus der energieeffizienteren Kühlbox an.

Basis unverändert Mercedes V-Klasse – so geht’s weiter

Der neue Mercedes Marco Polo basiert wie bisher auf der V-Klasse. Sie wird unverändert im Werk Vitoria im spanischen Baskenland gefertigt. Die nächsten Schritte sind bereits vorgezeichnet: Beginnend mit dem bevorstehenden Modellwechsel beim Sprinter wechselt Mercedes schrittweise mit allen Baureihen auf die neue modulare und flexible Van-Architektur. Auf dieser Basis wachsen dann sowohl vollelektrisch angetriebene Transporter als auch Transporter mit Verbrennungsmotor heran. Seitens Mercedes heißt es: „Auch die Reisemobile mit Stern werden perspektivisch Ende der Dekade diesen Weg beschreiten.“

Von Flugmotoren zu Campervans – die erstaunliche Geschichte des Werks Ludwigsfelde

Wohl kaum ein Automobilwerk hat eine vergleichbare Geschichte wie das Mercedes-Werk in Ludwigsfelde. In dunklen Zeiten wurde es vor 90 Jahren als Flugmotorenwerk Genshagen der damaligen Daimler-Benz AG gegründet. Gefertigt wurden Triebwerke für die Luftwaffe. Nach Ende des zweiten Weltkriegs komplett demontiert, produzierte das neu errichtete Werk zu DDR-Zeiten erst Schiffsdieselmotoren, dann Motorroller, schließlich die Lkw Ifa W50 und Ifa L60.

Im Anschluss an die Wiedervereinigung 1990 stieg die Daimler-Benz AG wieder ein und montierte zunächst leichte Lkw, zwischendurch auch Omnibusse, bis das Werk zur Transporterfertigung umgewidmet wurde. Damit entwickelte es sich zur Heimat des Großtransporters Mercedes T2/Vario, auch des unglücklichen Minivans Vaneo. Seit 2006 laufen hier die Fahrgestelle des Mercedes Sprinter vom Band, die sogenannten offenen Baumuster.

Mit der kommenden Neuordnung der Sprinter-Fertigung im Rahmen des bevorstehenden Modellwechsels geriet der Standort mit seinen rund 2000 Mitarbeitern in Gefahr. Inzwischen ist in Ludwigsfelde eine Anlauf-Fabrik für die Elektro-Plattform Van Electric Architecture eingerichtet. Die Serienfertigung der künftigen E-Sprinter plant Mercedes indes in Polen. Inzwischen kristallisiert sich heraus, dass Mercedes-Benz Vans in Ludwigsfelde ein Zentrum für individuelle Transporterlösungen einrichtet. Der neue Mercedes Marco Polo ist ein Beispiel dafür. Ihn soll künftig ein größerer Campervan auf Basis des kommenden Sprinter ergänzen, voraussichtlich ebenfalls ein Thema für das Werk Ludwigsfelde.

Mehr zum kommenden Sprinter lesen Sie hier:
Der neue Mercedes Sprinter: Van mit Ecken und Kanten

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