Kia PV5: Hier sind Auf- und Ausbauten
In Größe und Gewichtsklasse siedelt sich der vollelektrisch angetriebene Kia PV5 zwischen Baum und Borke an, zwischen Lieferwagen und kompakten Transportern. Ein Kastenwagen ist in dieser Liga üblich, ein Fahrgestell mit Fahrerhaus Rarität.
Nur zu gern zählt Erhan Eren, Direktor PBV von Kia Europe, die generellen Vorzüge des Transporters auf. Sie sind vor allem in seiner spezifischen E-Plattform zu suchen, so etwas ist noch selten. Auch wird die PBV-Familie wachsen, größere Modelle sind in der Pipeline.
Auf dem Speisezettel von Kia-Manager Edoardo Carpaneto stehen die Auf- und Ausbauer. Da wären international große Namen: Werkstattausbauten von Bott, Sortimo und Würth, eine Kastenwagen-Doka von Snoeks, den Kühlausbau von Kerstner, Rolli-Transporter von AMF Bruns, Kipper von Gruau und Scattolini, schließlich Kühlaufbauten von Lamberet. Hinzu kommen Anbieter, die Kia als national einstuft, etwa Aluca, Intax, Modul-System, Schnierle, Sommer und Suer.
Bei der Auswahl des Kia-Basisfahrzeugs gilt es hinzuschauen. Die geschlossenen Modelle gibt es wahlweise mit einer Netto-Batteriekapazität von 51,5 kWh und Motorleistung 89 kW oder 71,2-kWh-Batterie und 120-kW-Antrieb, das Fahrgestell, genannt Chassis Cab, ausschließlich in der kleineren Antriebs- und Batterievariante. Stets ist bei 2,65 Tonnen zulässiger Gesamtmasse Schluss. Das bedeutet eine Zuladung für den Kastenwagen zwischen etwa 600 und 800 Kitogramm und eine Fahrgestell-Tragfähigkeit von rund einer Tonne. Reserven für ungleiche Lastverteilung bieten zulässige Achselasten von 1,4 Tonnen vorn und 1,56 Tonnen hinten. Die Anhängelast ist auf lediglich 750 Kilogramm begrenzt.
Das ist jetzt mal eine Ansage: der französische Kühlfahrzeug-Spezialist Lamberet setzt einen ansehnlichen Frischdienst-Kofferaufbau auf das vergleichsweise zart wirkende Fahrgestell die Kia PV5. Damit dehnt sich der Transporter auf eine Gesamtlänge von 4980 Millimeter und 1900 Millimeter Breite. Lamberet bietet zwei Fahrzeughöhen von 1900 und 2450 Millimetern an, daraus resultieren Volumen von 4,3 und 6,3 Kubikmeter.
„Wir haben die beste Isolation im Markt“, trumpft Uwe Bentz auf, Vertriebsleiter der deutschen Lamberet-Tochter Kerstner. Typisch für Lamberet ist der neu entwickelte GfK-Aufbau namens Frigoline mit Polyurethan-Isolierung. Ausgelegt auf rund zwölf Jahre intensiven Einsatz, erreicht er eine Wärmeleitfähigkeit von Lambda = 0,019 W/m·K. Das entspricht nach Herstellerangabe einer angestrebten Reduktion der Wärmeverluste um bis zu 33 Prozent gegenüber konventioneller Isolierung.
Die Stärke der Paneele beläuft sich auf 85 Millimeter. Deutlich wird die enorme Isolierung beim Öffnen der Hecktüren und ihrer sichtbaren Wandstärke sowie der mehrfachen Dichtungen. Vorteil ist ein geringer Kälteverlust. Das spart Energie und damit Reichweite, denn das unterflur angebaute Kälteaggregat Kerstner eCooljet 206 wird von der Traktionsbatterie angetrieben. Ziel ist, mit einem vorgekühlten Aufbau die Original-Reichweite weitmöglich zu erhalten. Vertriebsleiter Bentz räumt in Sachen Position Vorbehalte aus: „Das Aggregat liegt außerhalb des Spritzbereichs der Räder.“
Ästheten könnten sich an den außenliegenden Gestängen der Türverriegelung stören. Praktiker sehen die niedrige Ladehöhe von lediglich 680 Millimeter und einen breiten Hecktritt auf halber Höhe, schlanke Schlaufen als Einstieghilfe, nehmen die Radkästen im Laderaum in Kauf. Sie achten ebenfalls auf die Nutzlast von 600 und 550 Kilogramm je nach Aufbauhöhe.
Die Alleskönner aus Frankreich steuern für das Fahrgestell des Kia PV5 eine Dreiseiten-Kippbrücke aus Aluminium bei. Der Aufbau soll rund 280 Kilogramm wiegen, das ergibt eine Nutzlast von knapp einer dreiviertel Tonne. Auf eine seitliche Verkleidung des Fahrgestells zwischen den Achsen hat Gruau verzichtet, das sieht daher ein wenig grobschlächtig aus. Auf Zurrösen verzichtet Gruau beim ausgestellten Modell ebenfalls – da geht noch was.
Suer aus dem bergischen Land hat sich für das Fahrgestell des Kia eine geschraubte Aluminiumpritsche mit rutschhemmender Auflage einfallen lassen. Die optionale seitliche Verblendung wertet die Optik auf. Der markentypische, seitlich verschiebbare Klapptritt erleichtert den Aufstieg zur Ladefläche, der Verzicht auf feststehende Rungen die Beladung. Vorn und seitlich in den Boden integrierte Airline-Schienen dienen als Ladungssicherung. Ein Ausschnitt im Stirnwandgitter – ebenfalls mit Airline-Schiene – gibt den Blick nach hinten frei. Hinzu kommt eine Beleuchtung der Ladefläche.
Die Innenmaße der Ladefläche belaufen sich auf 2455 auf 1850 Millimeter. Das entspricht den seitens Kia maximal erlaubten Maßen und bieten Platz für zwei Europaletten in Längsrichtung hintereinander. Das Gewicht der Pritsche beläuft sich auf rund 190 Kilogramm, daraus ergibt sich eine Nutzlast von rund 800 Kilo. Alles nicht genug, Wetterschutz benötigt? Dann liefert Suer auch Plane und Spriegel.
Finden statt suchen, damit prunken die Ausrüster von Werkstattfahrzeugen gerne. Sortimo SR5 ist ein schlankes und leichtes System, dessen Fachböden und Schubfächer sich an die Fahrzeugkontur anpassen. Beim schlanken Kia PV5 Cargo bleibt zwischen den Regalen sogar Platz für eine Europalette längs, das kann nicht jeder. Generell lassen die schmalen Seitenprofile der Einrichtung viel Platz am Boden.
Wachsende Nachfrage meldet Sortimo für Ausbauten in Transporter mit Schiebetür auch auf der linken Seite. Vorteil bei kompakten Fahrzeugen ist der deutliche bessere Zugang zu vorn gelagertem Material und Werkzeug. Wer die Angelegenheit optimieren will, wählt dann einen Drehblock.
Die Einrichtung ist gewohnt individuell, es gibt auch vorkonfigurierte Varianten in Verbindung mit Partnern aus der Werkzeugbranche. Wer Spaß dran hat, kann sich am Online-Konfigurator von Sortimo versuchen. Der Kia PV5 Cargo fehlt im Moment noch, es wird sich ändern.
Auf Transporte ganz anderer Art ist AMF Bruns spezialisiert. Hier dreht es sich in erster Linie um die Beförderung von Rollstuhlfahrern. Alexander Schwarz, Vertriebsleiter international, schätzt den Kia PV5, der hier in der Pkw-Variante Passenger vorfährt. Hat Schwarz doch festgestellt, dass es aus Gründen immer flacherer kompakter Transporter an Basismodelle für derlei Umrüstungen mangelt. Ein Handicap sind in diesem Fall auch platzraubende elektrische Heckantriebe.
Der Kia dagegen punktet dank Vorderradantrieb und einigen weiteren Kunstgriffen mit einer extrem niedrigen Ladehöhe. Das schafft trotz der lediglich mannhohen Karosserie drinnen Platz. Mit einem Griff ist die Auffahrrampe im Heck ausgeklappt und der Rollstuhlfahrer kann einfahren, wird drinnen an Retraktoren gesichert. Alles normgerecht und professionell. Das klappt im Zweifelsfall besser als bei der Kia-Werkslösung PV5 mit seitlicher Einfahrt und Wendemanöver im Transporter.
AMF Bruns baut einen eigenen Boden ein und realisiert darauf mannigfache Bestuhlungsvarianten. Sitze in der zweiten Reihe und Rollstuhl im Heck, Rollstuhl in der Mitte zwischen Sitzen, Fahrten ohne Rollstuhl mit vielerlei Einzelsitzen in der zweiten und dritten Reihe. Augenmerk verdienen vor allem die seitlichen Klappsitze im Heck: Nicht etwa Notsitze, sondern eine vollwertige Bestuhlung, sie wird mit einem Griff zur Seite geschwenkt und dabei gefaltet. Infolgedessen eignet sich der Ausbau auch ausgezeichnet als flexibles Taxi, entsprechende Beförderungen sind ein wichtiges Geschäftsmodell in dieser Branche.
AMF Bruns kann noch mehr: Wie wär’s mit einer Einrichtung für den Kia als Freizeitfahrzeug mit Übernachtungsgelegenheit, sozusagen einem Campervan light?
Und wie fährt sich der Kia PV5 Cargo? Wir haben ihn intensiv getestet und zeigen die nächsten Varianten:
Experten-Test: Kia PV5 Cargo
Kia PV5 Cargo: Hier sind die Neuen
Christian Bittman/Kia
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