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Iveco Daily, BE-Combi und Junge-Koffer: erster Kurz-Fahrbericht

von | 23. September 2026

Randolf Unruh

Ein Riesending: Iveco Daily plus BE-Combi und Junge-Koffer.

Der Riesen-Transporter für kleine Führerscheine. Iveco Daily, BE-Combi und Junge-Koffer: erster Kurz-Fahrbericht.

Sattelzug, Dreiachser, Riesen-Transporter – was bitte ist denn das? Wie fährt sich die Kombination, was steckt dahinter und wie funktionert sie? Eine Fahrzeug-Kombination mit Ausrufungszeichen, bei manchem auch mit Fragezeichen. Los geht’s.

Warum der BE-Combi so interessant ist

Kleiner und einfach zu erlangender Führerschein BE, keine Berufskraftfahrer-Qualifikation, keine Maut, aber mal fix um die 30 Kubikmeter Ladevolumen und knapp drei Tonnen Nutzlast. Das hat was und klassische 7,5-Tonner senken angesichts dieser Fakten verschämt die Scheinwerfer.

So funktioniert die Fahrzeugkombination

So funktioniert die Angelegenheit. Man nehme einen Transporter als Fahrgestell mit Fahrerhaus, Hinterradantrieb und tragfähiger Zwillingsbereifung, hier ist’s ein Iveco Daily als Fünftonner mit einem kräftigen Rahmen. Er wird auf 3,5 Tonnen abgelastet, Stichwort Führerschein, Maut.

Dann zeigt sich die traditionelle Findigkeit im niederländischen Transportwesen. Der Daily erhält einen Hilfsrahmen mit zwei stämmigen Ösen links und rechts als Aufnahme und eine sehr kompakte Sattelkupplung. Hinzugefügt wird ein einachsiges Trailerchassis, ebenfalls ein 3,5-Tonner, aufgesattelt und zusätzlich über die Ösen mit dem Zufahrzeug verbunden. Nicht fehlen darf eine Druckluft-Bremsanlage für den Auflieger. Fertig ist die Zugkombination namens 3500 Plus mit sieben Tonnen zulässiger Gesamtmasse.

Dritter im Bund ist gerne Kofferspezialist Junge mit einem Trailer-Aufbau im Lkw-Format, der sogenannten Eco-Box mit abgerundeten Kanten und fünf, sechs Meter Länge. Und dann kann’s losgehen.

Und so fährt sich der Riesen-Transporter

So ein Daily ist von Hause aus ein kräftig gebauter Geselle, dem man auch diese üppige Fahrzeugkombination abnimmt. Reicht er doch als Solofahrzeug bis hinauf auf 7,2 Tonnen. Typischer-Transporter-Vorteil: Der Fahrer klettert nicht ins Cockpit, er läuft hinein. Und fühlt sich dort schnell zuhause. Denn alles ist wie immer, ob Sitze, Instrumente oder die etwas gewöhnungsbedürftige Bedienung des Achtgang-Automatikgetriebes, Vorne links hat jemand noch einen Monitor für die Rückfahrkamera spendiert. Sieht etwas nach Fremdkörper aus, eigenwillig ist die Kombination mit einem Mikrofon. Aber sehr hilfreich, ist schließlich ein mächtiger Trumm im Vergleich zu Kastenwagen

Mit knapp halber Beladung setzt sich die Fuhre flott in Bewegung. 132 kW und 430 Nm Drehmoment plus acht Schaltstufen sind ja was. Wer mehr will, greift zum nochmal kräftigeren 21er Daily. Beruhigend: Die Assistenzsysteme umfassen, anders als beim klassischen Anhänger, die komplette Zugkombination. Heißt GSR-2 für alles. Eine Freigabe seitens Iveco oder anderer Fabrikate ist obligatorisch.

Der Geradeauslauf ist wie erwartet prächtig, der Kurvenlauf wie erwartet etwas steif, Dreiachser eben. Trotz luftgefedertem Trailer und knapp halber Beladung benimmt sich das Fahrwerk nicht ganz geschmeidig, hier fährt eben schon ein recht großer Brummer. Auch war der Daily noch nie eine Sänfte. Über die Luftfederung wird das Gewicht so verteilt, dass immer 1,5 Tonnen auf der Antriebsachse ruhen. Bei Traktionsproblemen lässt sich die dritte Achse entlasten. Hier streckt sich der Aufbau auf 6,2 Meter Länge, somit entfernt sich die Kombination von herkömmlichen Transporter-Abmessungen, das heißt Obacht beim Rangieren. Die Stützen des Aufbaus sind lose beigelegt, das spart Kosten und lässt auf seltene Verwendung schließen.

Für und Wider des Minisattels von BE-Combi

Und nun wird’s spannend, denn innerhalb der Aufbauerbranche wird gegen diese Art von Sattelzug geschossen. So soll, sagen die Gegner, die Betriebserlaubnis erlöschen, weil sich der Trailer zwar absatteln lässt, sich jedoch während der Fahrt nicht um den Königszapfen dreht, da dann fest über die Ösen mit der Sattelzugmaschine verbunden. Mutiert der Mini-Sattel damit zum Solofahrzeug?

Technik-Chef Henk-Jan Uittenbogerd von BE-Combi ehrt ab, verweist auf eine europäische Typgenehmigung, spricht von rund 3000 zugelassenen Fahrzeugen in den Niederlanden und eine dreistellige Zahl in Deutschland. Als Gütesiegel mag auch gelten, dass MAN die Kombination von TGE und BE-Combi im Einrechnungsgeschäft anbietet. Schwer vorstellbar, dass der Lkw-Hersteller das Risiko eingeht, seinen Kunden ein Fahrzeug mit zweifelhafter Betriebserlaubnis zu verkaufen. Mögen die Juristen das Thema klären.

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