Krisen-Konzern Knaus-Tabbert: noch nicht über den Berg
Erst positive Nachrichten, jetzt verhaltene Meldungen. Krisen-Konzern Knaus-Tabbert: noch nicht über den Berg.
Im September eine Gewinnwarnung, Jetzt zusammen mit dem Bericht zum dritten Quartal 2025 nochmals eine Absenkung der voraussichtlichen EBITDA-Marge – Betriebsergebnis, also Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen – für das laufende Geschäftsjahr. Er soll nun „am unteren Ende der zuletzt kommunizierten Bandbreite von 3,2 bis 4,2 Prozent“ liegen. Im Sommer war noch von 5,0 bis 5,5 Prozent die Rede. Der kriselnde Wohnmobil- und Caravan-Konzern Knaus-Tabbert steht also weiter unter starkem Druck.
Knaus-Tabbert: Seit einem Jahr im Krisenmodus
Zur Erinnerung: Vor einem Jahr geriet Wohnmobilriese Knaus-Tabbert heftig ins Schleudern: unverkaufte Fahrzeuge, Gewinneinbruch, zeitweilige Einstellung der Fertigung in zwei Werken, Führungskrise, Razzia wegen Korruptionsvorwurf, Verhaftungen von Vorständen. Anteilseigner Willem „Wim“ de Pundert übernahm mit einem neu aufgestellten Führungsteam das Ruder. Einschneidende Eingriffe und erste positive Meldungen folgten. Jetzt wurde de Punderts Vertrag als CEO von Knaus Tabbert bis zur Hauptversammlung 2026 verlängert. Sie findet voraussichtlich im Sommer 2026 statt.
Als aktuelle Handicaps nennt das Unternehmen unter anderem Lieferverschiebungen eines Chassisherstellers. Dies kann zu erneuten, diesmal jedoch unerwünschten Aussetzern und Verschiebungen in der Fertigung führen. Hinzu kommen weiterhin Verkaufsförderungsmaßnahmen zur Reduzierung von Beständen und damit verbunden ein branchenweiter Druck auf die Verkaufspreise und somit Ergebnisse.
Wesentliche Kennzahlen zum Ende des dritten Quartals im Vorjahresvergleich
Bei Knaus-Tabbert entspricht das Geschäftsjahr dem Kalenderjahr. Das Unternehmen verkaufte in den ersten drei Quartalen 2025 exakt 15 642 Einheiten (Vorjahr 18 647). Der Auftragsbestand reduzierte sich zum Stichtag 30. September erheblich von 577 auf 476 Millionen Euro. Dahinter stehen vorsichtige Bestellungen der Handelsbetriebe.
Der Umsatz ist zum Ende des dritten Quartals im Vergleich zum Vorjahr um 15,1 Prozent von 897,2 auf 761,5 Millionen Euro gesunken. Das Unternehmen hält aber weiterhin an seinem Umsatzziel von einer Milliarde Euro für das laufende Jahr fest. Dafür spricht ein deutlich weniger rückläufiger Umsatz im dritten Quartal. Das Betriebsergebnis EBITDA für die ersten neun Monate beträgt lediglich 16,7 Millionen Euro (Vorjahr 42,3 Millionen Euro). Positiv ist die Entwicklung des Cash Flow aus der laufenden Geschäftstätigkeit mit einem Sprung von minus 0,7 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf jetzt 65,0 Millionen. Ebenfalls konnten die im Vorjahr drastisch aufgebauten Bestände um annähernd die gleiche Zahl verringert werden.
Zur Sanierung von Knaus-Tabbert gehört neben einer deutlichen Straffung des Programms von Wohnmobilen und Caravans die Reduzierung der Mitarbeiterzahl um 20 Prozent von 4144 auf 3318 Köpfe. Knaus-Tabbert steht unter Beobachtung der Banken. So muss das Unternehmen für seinen laufenden Konsortialkredit definierte Finanzkennzahlen einhalten. Gelingt dies nicht, können Kreditgeber den Vertrag kündigen und eine Rückzahlung des Kredits verlangen.
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