Transporter aus China (II): BYD E-Vali

von | 16. Oktober 2026

Randolf Unruh

BYD E-Vali: sehr zurückhaltend gestaltete Karosserie.

2024 und 2026 Auftritte auf der IAA – und nun? Der große Unbekannte. Transporter aus China (II): BYD E-Vali.

Vor zwei Jahren eine vielbeachtete Weltpremiere, 2026 eine eher unspektakuläre Wiederholung im Schatten der BYD-Lkw. Das wirft Fragen auf. Vor allem: kommt der BYD E-Vali oder kommt er nicht?

Der Auto- und Batterieriese BYD hat eine Menge vor

BYD hat sich mit seinen Autos hierzulande nicht ganz leichtgetan. Aber der rasant gewachsene chinesische Autoriese lässt nicht locker, profitiert inzwischen stark vom Schwenk zur Elektromobilität, baut rasch ein Vertriebsnetz auf. Der Konzern hat seine Wurzeln in der Entwicklung und der Fertigung von Batterien. Klingt es verwegen oder liegt es auf der Hand: Die Entwicklung erinnert an den Pionier Gottlieb Daimler, der seinerzeit Absatzgebiete für seine Motoren suchte und auf diesem Wege Motorboot, Motorrad, Auto und Lkw erfand. Ähnlich hat BYD in den vergangenen Jahren sein Angebot stetig ausgebaut.

Und dazu sollen offensichtlich auch Transporter zählen. Indes taucht der 2024 spektakulär vorgestellte vollelektrisch angetriebene BYD E-Vali bisher nur auf Messen auf. 2026 war er wieder da. Aber es gab, im Unterschied zu den Lkw von BYD, kein Wort zu ihm. Das aber kann täuschen, schauen wir also mal hin. Schließlich hat sich BYD organisatorisch bereits aufgestellt, Europa-Chef für die Nutzfahrzeuge ist der ehemalige und dort an zahlreichen Stellen eingesetzte Stellantis-Manager Domenico Gostoli. Ebenso gibt es mit Klaus Hartmann einen LCV-Chef für Deutschland.

Sehr sachliche Karosserie mit guter Raumausnutzung

Auffällig ist die extrem sachlich gehaltene Karosserie. Der Begriff schnörkellos klingt fast schon untertrieben. Steil aufragende Wände sprechen für eine gute Raumausnutzung. Radläufe und Schweller sind durch Beplankungen geschützt, das ist praxisnah. Als Einstiegshöhe nennt BYD hinten lediglich 435 Millimeter. Doch Vorsicht, es folgt noch eine flache Stufe. Die Türen haben das Format von Scheunentoren, an der Seite ist der Durchgang 1337 Millimeter breit.

Zwei Karosserievarianten gibt es. Die Ausführung mit 3865 Millimeter Radstand misst in der Länge sechs Meter, bei 2,1 Meter Breite und 2,78 Meter Höhe. Daraus errechnet BYD ein Ladevolumen von 13,5 Kubikmetern. Der E-Vali mit großem Radstand von 4550 Millimeter dehnt sich auf sieben Meter Länge und fasst 17,5 Kubikmeter. Damit siedelt er sich unter den großen Kastenwagen ganz weit oben an. Von Vorteil für die Raumausnutzung ist die sehr kurze Nase, mehr Volumen bei gleicher Länge schafft kein Verbrenner.

Unter dem Blech steckt spannende Technik für Batterie und Antrieb

Die zulässige Gesamtmasse des E-Vali beträgt wahlweise 3,5 oder 4,25 Tonnen, die Nutzlast siedelt sich zwischen 0,7 und 1,45 Tonnen an. Das hängt neben Länge und Gesamtmasse auch vom Antrieb ab, denn serienmäßig fährt der E-Vali mit einem 150 kW starken Heckmotor vor, wahlweise kommt an der Vorderachse eine weitere E-Maschine mit 100 kW zum Einsatz. Das ergibt einen großen E-Transporter mit kräftigem Allradantrieb, eine Rarität.

Unter dem Boden ruht eine große Batterie mit 80,64 kWh Kapazität, geladen wird sehr flott mit maximal 188 kW. Die Technik verdient einen genaueren Blick. So verwendet BYD Blade-Batterien, ihre flache Rechteckform erinnert mit ihrer Packung an Messer im Besteckkasten. Auch der 6-in-1-Elektroantrieb hat es in sich. Er integriert die Motorsteuerung, den Antriebsmotor, das Getriebe, das Batteriemanagementsystem, die Fahrzeugsteuerungseinheit und die Stromverteilungseinheit in einem Modul. Die kompakte Bauweise führt trotz Heckmotor zu einer recht niedrigen Ladekante. Und nun folgt die Frage: Wann kommt er wirklich?

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