Experten-Vorstellung: Ford Transit City als Fahrgestell

von | 1. Juni 2026

Elektrisch, günstig, schnörkellos – ein Fall für scharfe Rechner. Experten-Vorstellung: Ford Transit City als Fahrgestell.
Justus Schulte/Ford

Neues Gesicht in der Transporter-Menge: Ford Transit City.

Sachen gibt’s: Bei der Entwicklung der aktuellen Transporter-Zwillinge Ford Transit Custom und VW Transporter hat Ford auf ein Fahrgestell mit Fahrerhaus verzichtet. Das gibt’s beim Partner VW, allerdings nur als Doppelkabine. Nun füllt Ford Lücken im Programm mit dem einfachen E-Transporter Ford Transit City, neben Kastenwagen kurz, lang und auch hoch als Fahrgestell mit Einzelkabine. Partner ist das chinesische Fabrikat JMC, die Technik indes eigenständig Ford. JMC fertigt schon lange den Transit für China, jetzt dreht sich die Richtung um 180 Grad. Wir haben mal genau hingeschaut.

Justus Schulte/Ford

Fahrgestell mit Fahrerhaus und klassischem Leiterrahmen.

Leiterrahmen und drunter eine starre Hinterachse

Fahrgestelle mit Fahrerhaus zäumt man von hinten auf. Also gibt’s zunächst einen Blick auf das Chassis. Es besteht ab Fahrerhaus-Rückwand aus einem Leiterrahmen mit sechs Querträgern, die Oberkante liegt knapp 620 Millimeter über der Fahrbahn. Denn drunter hängt schließlich noch ein Kasten mit den Traktionsbatterien.

Hinten folgt eine simple Starrachse mit Zweiblatt-Parabelfedern – der feinere Bruder Transit Custom rollt auf einer Schräglenker-Achse mit Schraubenfedern. Und weil der neue Ford aufgrund der Kosten sowie der Lieferfähigkeit aus chinesischer Fertigung auf Einheitlichkeit getrimmt ist, muss ein standardisierter Radstand von 3360 Millimetern genügen.

Angesiedelt im Segment kompakter Transporter

Nutzer sollten ihr Augenmerk auf die Gewichtsbilanz richten. Die zulässige Gesamtmasse des kompakten Ford Transporter City beläuft sich auf 3,27 Tonnen, das bedeutet 1,6 Tonnen für Fahrer, Aufbau und Fracht.

Jedoch addieren die zulässigen Achslasten von 1,44 Tonnen vorn und 1,92 Tonnen hinten auf lediglich 3,36 Tonnen, also Vorsicht bei ungleicher Lastverteilung. Ausweichen auf Anhänger klappt nicht. Dafür wäre eine Anhängekupplung notwendig. Eine Anhängelast aber ist für den Transit City nicht vorgesehen.

Randolf Unruh

Das Fahrgestell trägt inklusive Fahrer recht genau 1,6 Tonnen.

Geplant sind zahlreiche Varianten mit Aufbau aus einer Hand

Bei Aufbauten für sein Fahrgestell setzt Ford auf Einrechnungsmodelle mit Komplettfahrzeugen aus einer Hand. Gesetzt sind zunächst eine Pritsche von Scattolini und ein Koffer in zwei Formaten von Junge.

Für 2027 plant Ford einen Kipper sowie einen Kühlkoffer von Spier. Der wird über eine eigene Batterie verfügen, das schont die Traktionsbatterie und somit Reichweite. Für derlei Aufbauten fehlt zunächst noch der elektrische Nebenabtrieb, daher die Verzögerung.

Einheitsfarbe Weiß, Abstammung von JMC

Und das Fahrerhaus? Firmengründer Henry Ford könnte es gefallen. Wird ihm doch das Bonmot zugeschrieben, sein Model T sei in jeder Farbe zu bekommen, Hauptsache sie sei Schwarz. Beim Ford Transit City als Fahrgestell ist es durchweg in Weiß lackiert. Ohnehin ist die Ausstattung bis ins Detail vorkonfiguriert, Extras gibt es nicht. Keine, null.

Auch wenn Ford Hand angelegt hat, beim Design wird die Abstammung von JMC deutlich. Die rundliche Nase trägt ein ungewohnt kleines Markenzeichen. Fast scheint es, der neue Transporter fühle sich in seiner Haut als Ford noch nicht so recht wohl. Für einen modernen Transporter etwas ärmlich sind Halogen-Scheinwerfer. Und ungewohnt die dunklen scheibenförmigen Abdeckungen der Räder. Aber es gibt Außenspiegel mit zusätzlichem und sogar verstellbarem Weitwinkelglas. Untypisch für Ford sind die Klapptürgriffe.

Justus Schulte/Ford

Geräumiges und eher schlicht eingerichtetes Fahrerhaus.

Schlicht aber funktionell eingerichtetes Fahrerhaus

Drinnen fehlen Einstiegs-Haltegriffe, das macht auf der Fahrerseite wie gewohnt der Griff zum Lenkrad wett. Es ist nicht verstellbar, das Handschuhfach kommt ohne Deckel aus und der Beifahrer-Doppelsitz ohne die gewohnte Gepäcktruhe – Sparmaßnahmen allenthalben.

Aber sonst ist alles da, jede Menge offene Ablagen, elektrische Feststellbremse, zwei Monitore, Klimaanlage und ein Bündel Assistenzsysteme – passt. Die Materialien wirken schlicht, Hartplastik mit Alibi-Narbung, günstig eben und für rustikale Einsätze und scharfe Rechner egal. Wichtiger ist der reichliche Platz.

Überschaubare Batterie, günstiger Listenpreis

Bleibt ein Blick auf den Antrieb. Verfügt das chinesische Basismodell über Hinterradantrieb, so hat Ford den Spieß umgedreht und siedelt alles vorne an. Herz ist ein Elektromotor mit 150 kW Leistung. Ihn speist eine robuste und günstige LFP-Batterie mit einer nutzbaren Kapazität von 55 kWh. Genug für Kurzstrecken, für sie ist der Transit mit Zunamen City schließlich gedacht. Eher matt wirkt die Schnellladeleistung von 87 kW, also besser über Nacht ran an die Wallbox auf dem Betriebshof.

Und die Kosten? Die überschaubare Preisliste umfasst lediglich 13 Seiten einschließlich knapper technischer Daten. Der Ford Transit City als Fahrgestell mit Fahrerhaus taucht für einen Nettopreis von 37 990 Euro auf. Wettbewerb ist rar: Ein Opel Vivaro Electric als Plattform-Fahrgestell kostet laut Liste rund 1500 Euro mehr bei ähnlicher Leistungsfähigkeit. Die Doka von VW startet mit größerer Batterie und Pritsche bei 52 285 Euro. Sachen gibt’s…

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